GRAN TORINO VS HARRY BROWN

GRAN TORINO vs HARRY BROWN  
updated 31/01/13 



Beide wurden sie in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts geboren, beide sind sie Oscar Gewinner, beide sind sie Legenden der Leinwand. Der eine, Amerikaner….Clint Eastwood, gilt für viele als der Prototyp des kompromisslosen Westernhelden. Der andere, Engländer…Michael Caine, einer der überragenden Charakterdarsteller der letzten Jahrzehnte. Beide stehen sie heute noch vor der Kamera. Und als ob dies der Gemeinsamkeiten nicht schon genug wären, lieferten die Altmeister etwa zur gleichen Zeit zwei Filme ab, deren inhaltliche Gemeinsamkeit eine durchaus aktuelle Thematik zugrunde liegt. Clint Eastwood’s „Gran Torino“ (2008) und Michael Caine’s „Harry Brown“ (2009) setzen sich mit der Problematik der Jugendkriminalität auseinander.

Während die amerikanische Variante schon öfter über die TV-Bildschirme der Republik flimmerte, dürfte das britische Pendant einem ähnlich großen Publikum bisher verwehrt geblieben sein. Die Ausgangssituation verhält sich aber recht ähnlich: ein betagter Gentleman sieht sich, aus Rechtsempfinden, mit einer jugendlichen Gang konfrontiert.

Clint Eastwood vollzieht in seiner Geschichte die Entwicklung vom wortkargen, garstigen Rassisten zum einsichtigen, hilfsbereiten Nachbarn. Wobei vor allem das für Eastwood untypische Ende den Zuschauer in ein, zwei Denksportaufgaben zwingt. Eine Qualifikation für den Hörsaal des Psychologiestudienganges und Paradebeispiel für den möchtegernintellektuellen Welterklärer.

„Harry Brown“ indes beschreitet geradlinigere Wege. Ohne belehrend wirken zu wollen. Eine klare Ansage an ein Problem und dessen Lösung. Kein makelloser Held, ein Mensch mit Fehlern und Schwächen…der sich nach zwei Schicksalsschlägen zum handeln gezwungen fühlt. Mit dem heiklen Thema der Selbstjustiz, muss sich der Film natürlich zwangsläufig den erhobenen Zeigefinger bestimmter gesellschaftlicher Kreise gefallen lassen. Für die einen mangelnde Selbstreflexion, für die anderen die fiktive Verkörperung von Gerechtigkeit. Der „Abschaum bekommt was er verdient“ Faktor erzeugt Zufriedenheit oder Zweifel. Je nachdem wie man tickt. Caine’s Hauptrolle polarisiert. Doch gerade mit den Unruhen in England von 2011 im Hinterkopf, wirkt „Harry Brown“ authentischer und für den Mitteleuropäer viel greifbarer. Zumal die Rolle des Teenager Bösewichts von Rapper Ben Drew gespielt wird, der unter dem Synonym Plan B ja auch schon hierzulande in den Charts (She said) vertreten war.